Fahrradfahren mit Ziegen

Fahrradfahren mit Ziegen

Fahrradfahren mit Ziegen? Wie funktioniert das denn? Ganz einfach: Man nehme ein Fahrrad, eine Menge Ziegen nach Gutdünken und fahre los. 😉

Okay, ganz so einfach ist es vielleicht nicht. Eine gewisse Vorarbeit muss natürlich geleistet werden. Dennoch bin ich immer wieder erstaunt, wie gut meine verrückten Ideen funktionieren. Ziegen sind halt einfach für alles zu haben. Mit ihrer natürlichen Neugier finden sie alles interessant, was aussergewöhnlich ist. Vielleicht passen wir deshalb so gut zusammen.

Wenn das Vertrauen stimmt, ist alles möglich

Natürlich kannst du nicht einfach mit einer völlig untrainierten Ziege losfahren und erwarten, dass so etwas funktioniert. Wenn du aber Trekkingziegen hast oder einfach eine kleine Herde, die sich gewöhnt ist spazieren zu gehen und dir an der Leine und frei zu folgen, werden sie dir nach einem kurzen Fragezeichen über dem Kopf auch auf dem Fahrrad folgen.
Ziegen sind sehr treue Seelen – wenn du mal als Leitziege akzeptiert bist (und das leckere Futter dabei hast 😉 ), folgen sie dir durch dick und dünn, über Stock und Stein oder eben auf dem Fahrrad.

Warum Fahrradfahren?

Wie komme ich denn überhaupt auf die Idee Fahrradfahren mit Ziegen? Zum Einen, um ihnen Abwechslung zu bieten und zum Andern, um Chico und Elvis Kondition zu trainieren. Mit ihnen beiden möchte ich nämlich vermehrt in den Bergen wandern, was eine gewisse Grundkondition von uns allen voraussetzt. Ein Punkt ist aber auch, dass die beiden mit ihren drei Jahren voll im Saft sind und ihre Energie bevorzugt im Zerstören von Stallmobiliar (Chico hat diesen Job nun verantwortungsvoll von Wollo übernommen…) ausleben. Eine müde Geiss ist eine brave Geiss. Deshalb: Los geht’s Jungs!

Viel Spass beim Video. 🙂

Grüenochte Geiss Zicklein

In diesem gute-Laune-Video siehst du Hippie, Gloria und Frisbee, die Grüenochte Geiss Gitzi von meiner lieben Freundin Sabina www.zottelgeiss.ch / Instagram: @zottel_geiss. Ich durfte im März bei ihnen ein Gitzi-Bad nehmen… Was das bedeutet, kannst du im Video sehen. 😉

Sabina ist die Präsidentin des Zuchtvereins der “grauen Walliserziegen”. Die Grüenochte Geiss oder Grüenochti ist eine von vier farblichen Ausprägungen der Walliserziegen-Gruppe. Sie ist vorne grau gezeichnet.

Über Sabina bin ich auf diese seltene Ziegenrasse aufmerksam geworden. Kurze Zeit später, waren wir gemeinsam auf dem Weg ins Wallis, um meinen Elvis abzuholen. Er ist also ein waschechter Walliser.

Gemeinsam mit der Kupferhalsziege und der Capra Sempione wurde die Grüenochti bei der Rassenbereinigung 1938 nicht als Rasse anerkannt und ist seither als unerwünschte Färbung der Walliser Schwarzhalsziege beinahe verschwunden. Dank Pro Specie Rara und dem Engagement von Züchtern und Züchterinnen wie Sabina, sieht man die Grüenochte Geiss heute wieder mehr. Sie gehört aber immer noch zu den seltesten Ziegenrassen der Schweiz.

Obwohl sie etwas pflegeintensiver sind, gefallen mir die langhaarigen Ziegen sehr. Sie haben eine ganz eigene Ästhetik. Was ich besonders an ihnen schätze ist ihr Wesen: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Walliser Ziegen sensibler sind als andere Rassen. Während eine Pfauenziege ein richtiger “Muni” sein kann, ist die Walliserin zwar eigenwillig, aber viel feiner und scheuer.

Ansonsten sind es robuste Gebirgsziegen, die nur selten gemolken werden. Sie werden meistens als Hobbyziegen ihrer Schönheit halber gehalten und für die Landschaftspflege genutzt.

Quelle: Pro Specie Rara

Herdenzuwachs: Kupferhalsziegen-Bock Bänz

Drei Ziegen sind zu wenig. Wer mal vier hatte, will nicht mehr drei. Viel ruhiger sind sie zu viert. Keine kommt ständig drunter.

Ziegen sind nicht zimperlig. Sie tragen ihre Hörner nicht nur zum Schmuck. Eine einzelne Ziege in eine bestehende Herde zu integrieren ist alles andere als einfach. Deshalb musste es schon eine sein, die sich vor allem gegen Wollo behaupten kann.

Ein paar Inserate, eine lange Autofahrt, ein sehr schönes Gespräch (habe ich schon mal erwähnt, dass Menschen, die Ziegen halten, alle irgendwie ganz besonders sind?) und ein paar Tränen später, tappste Kupferhalsziegen-Bock Bänz verwirrt über meine Ziegenweide.

Die ersten Wochen war er alles andere als begeistert von seinem neuen Zuhause. Er vermisste seine Herde, die er in seinen 5 Lebensjahren nie verlassen musste und schon gar nicht alleine. Mehr als verständlich also, dass er Heimweh hatte.

Spannende Spaziergänge, viel leckeres Futter und liebevolle Betreuung haben ihn aber nach und nach neuen Mut fassen lassen. Jetzt (März) ist er angekommen und entwickelt sich langsam wieder vom verschüchterten Böckli zum selbstbewussten, lustigen Ziegenbock.

Er hat viel Charme, wickelt alle um seine goldenen Locken – ähm Finger und passt sich erstaunlich gut an unsere Gewohnheiten an. Schliesslich muss er alles lernen: Sich am Halfter führen lassen, auf seinen Namen hören, sich ohne Rodeo kämmen lassen, bei Spaziergängen nicht davonlaufen, verstehen was “Nein, du springst nicht auf den Picknicktisch” bedeutet….

Schön, dass du da bist Bänzi.

Übrigens: Kupferhalsziegen gehören wie Grüenochtegeissen und Pfauenziegen zu den bedrohten Nutztierrassen von ProSpecieRara.